Quo vadis Diekholzen?

Auf den ersten Blick ist Diekholzen mit Sicherheit einer der schönsten (ich meine die schönste) Gemeinden im Landkreis Hildesheim. Keine Kraftwerke, keine hässlichen Monsterhallen und Windkrafträder vor der Haustür, keine Dreckschleudern gleich welcher Art, kaum Stromleitungen verunstalten unsere wunderschöne Gegend , dafür haben wir reichlich Wald und Natur in fußläufiger Nähe und den Vorteil naher Einkaufsmöglichkeiten in Hildesheim. Naja, den Roten Berg mit dem Motorradlärm habe ich jetzt mal unterschlagen. Die Grund- und Gewerbesteuern sind moderat, das trägt sicher dazu bei, Gewerbe an die Gemeinde zu binden und einen nennenswerten Anteil Gewerbesteuer einzunehmen. Es gibt keine Straßenausbausatzung, die Haushalte der Gemeinde zeigten lange Jahre Überschüsse. Fast schuldenfrei! Welch Alleinstellungsmerkmal! Wie schön, jahrelange erfolgreiche Finanzpolitik durch Bürgermeister und Rat! Oder?

Auch beim zweiten Blick können wir sehr zufrieden mit dieser Gemeinde sein oder besser mit dem, was die natürliche Umgebung uns ohne eigenes Zutun bietet und den Entscheidungen der lange vergangenen Jahre, die noch bis heute ihre „Restwirkung“ zeigen.

Wenn man aber nicht leichtgläubig ist, dann schaut man ein bisschen hinter die Kulissen. Im Moment haben wir eine historische Tiefzinsphase, viel länger als alle Experten vorhergesagt haben, ein Ende ist nicht abzusehen. Das ist auch nicht verwunderlich, bei den Staatsfinanzen und der Vorgehensweise unserer obersten Lenker kann sich niemand hohe Zinsen leisten. Die Wirtschaft würde zusammenbrechen, es gebe extreme Einbrüche bei den Wählerzahlen. Na gut, die haben wir jetzt auch dank der hervorragenden Corona Politik, aber das konnte ja keiner ahnen.

Wie steht es denn nun wirklich um die Gemeinde? Naja, das mit der Schuldenfreiheit jedenfalls stimmt, wenn man nur die Finanzen betrachtet. Schaut man sich allerdings auch die Zustände der öffentlichen Infrastruktureinrichtungen an, dann sieht das ganz anders aus. Das Wasserleitungsnetz ist marode, Reparaturen in erheblicher Größenordnung sind zwingend erforderlich, schon lange und bisher erfolgreich verschwiegen. Die Schmutzwasserleitung wird ähnlich aussehen. Die Hauptleitung der Gemeinde sind in den sechziger und siebziger Jahren gelegt, Steinzeug Rohre mit Hanfdichtungen. Überall da, wo Bäume in der Nähe sind, treiben deren Wurzeln in die Leitung durch die Dichtungen hinein. Das ist auch nicht zu verhindern. Die Technik heute ist anders. Die Hauptleitungen werden in den nächsten Jahren saniert werden müssen, Inliner einzuziehen ist nur ein Provisorium, das gern gemacht wurde und hilft uns nicht auf Dauer. Außerdem ist die Leitung ursprünglich für Anschlusswerte bemessen worden, die weitaus geringer waren, als heute erforderlich sind, die Leitungen blockieren die weitere Entwicklung zumindest in der Ortschaft Diekholzen.

Vermutlich ist die Hauptleitung auf dem letzten Meter bis zur Kläranlage zu klein, aber ohnehin kaputt.

Gibt es einen Plan Wasserleitung und Schmutzwasser in Ordnung zu bringen? Nein, natürlich nicht. Dem ehemaligen Bauamtsleiter war das offensichtlich zu viel Arbeit, die Bürgermeisterin scheint heillos überfordert, wie in so vielen Bereichen.

Und die Gebäude? Naja, Grundschule und zugehörige Turnhalle aus den Sechzigern, Steinberghalle aus den Achtzigern, Gemeindeverwaltung ebenfalls aus den sechziger oder siebziger Jahre. Was bedeutet das? Die Grundkonzeption entspricht nicht mehr der heutigen. Man kann reparieren und sanieren so viel man will in so einer alten Halle, man wird keine moderne hinbekommen. Man kann die Wärmedämmung verbessern, das Dach abdichten, die Kellerwände neu isolieren, die grundsätzlich alte Substanz bleibt erhalten, die viel zu niedrige Bauhöhe der Kellerräume nach heutigen Vorschriften auch. Feuerschutz ist genauso ein Thema, alte Gebäude auf die heutigen Bedingungen anzupassen, ist teuer und oft unwirtschaftlich.

Schulen sehen heute anders aus, sie bestehen aus Lernwelten und nicht aus Klassenräumen der Bauweise des letzten Jahrhunderts und das gilt für alle Ortschaften der Gemeinde.

Das ist alles nicht schlimm, es ist in anderen Kommunen auch so gewesen. Die Gemeinde Sibbesse  hat ihr ganzes Dorfzentrum erneuert, obwohl die finanzielle Lage dort viel schlechter ist als angeblich in Diekholzen. Sibbesse hat jetzt einen ausgeglichenen Haushalt, nein sogar Überschüsse sechsstellig! Diekholzen hat Fehlbeträge, sechsstellig! Woran liegt das? Ist es vielleicht verkehrt immer wieder ein Pflaster auf die Wunden zu kleben (Sanierung, Sanierung, Sanierung…?) Sollte man nicht lieber dann, wenn es halt erforderlich ist, etwas neu bauen, besonders bei fast NULL Zinsen?

Und das gilt für Wasserleitungen, Schmutzwasserleitung, Turnhallen und Sportplatz. Solange es eine satte CDU Mehrheit gab und die entsprechende Parteizugehörigkeit beim Hauptverwaltungsbeamten dazu, war daran offensichtlich nicht zu denken. Wahlspruch vom letzten Mal: damit alles gut weitergeht! Was soll denn gut weitergehen? Die schöne Natur? Was hat die CDU damit zu tun? Die Finanzen? Das ist schon falsch, denn zu den Schulden auf dem Konto muss man die unterlassene Bauunterhaltung und den Verfall der Substanz dazu zählen.

Aber, ich will nicht ungerecht sein. Es liegt nicht an der CDU. Das ist kein Partei Problem. Es liegt immer an den Menschen die handeln! Und dann gibt es in jeder Partei solche und solche, im Moment ist es halt so verteilt wie es ist. Es wird Zeit, dass der Gemeinderat sich aufrafft und Diekholzen für die Zukunft fit macht. Chancen haben wir weiß Gott, es ist nach wie vor eine tolle Gemeinde. Wir werden unseren Teil daran tun wie wir es bisher auch getan haben: Baugebiete mit ökologischen und modernen Konzept und Vorgaben aus dem Rat, nicht aus der Verwaltung. Sport Entwicklungskonzept mit einem Plan für die Zukunft, egal in welchen Abschnitten zeitlicher Reihenfolge es verwirklicht wird. Unser Sportkonzept beinhaltet genau das, was bisher im Kernort da ist plus einer Turnhalle als zusätzliche Trainingshalle für die Sportfreunde Söhre, mehr nicht! Und das ist heute für Baukosten von ungefähr 10 Millionen zu erstellen. In 20 Jahren eben für 15 Millionen und in 30 für 20. Wir wollen es aber nicht an einem Tag bauen, sondern dann, wenn es passt, wenn die Fördermittel passen, wenn der Bedarf und der Wille da ist. Ein Gemeindeentwicklungskonzept ist ebenfalls angebracht. Dazu ist zunächst der Rat gefordert!

Man kann diese Dinge auf zwei Arten anfassen: erstens: ich gebe mir ganz viel Mühe darüber nachzudenken, warum das Blödsinn ist, warum das nicht geht, warum das jetzt falsch ist, warum das sowieso falsch ist, was alles dagegen spricht. Kennen wir aus einigen Leserbriefen und Diskussionen im Rat.

Zweitens: ich arbeite mit Energie und Einsatz daran, es zu realisieren! Wir gehören zu den letzteren. Manche gehören zu den ersten. Ich habe noch Hoffnung, es gibt viele, die diesen Ort nach vorne bringen und die Sünden der nahen Vergangenheit endgültig beenden wollen. Mögen Sie weiterhin die Mehrheit haben, das wünsche ich mir für alle Diekholzer, für mich, vor allen Dingen für meine Kinder und Enkel, die auch in diesem Ort wohnen und das sicher länger als ich.

Die Situation ist passend, die nächste Kommunalwahl steht vor der Tür. Wir sagen klar, was wir erreichen möchten, manche sagen nur, was sie nicht wollen. Die Wähler entscheiden, danach richtet sich die Zukunft. Es gibt den ersten und den zweiten Weg, also: Quo vadis Diekholzen?