Der Rote Berg als Motorradstrecke wird offensichtlich wieder Thema.

Land prüft derzeit, ob es den Kommunen Fördermittel für die Anschaffung sogenannter Dialog-Displays zur Verfügung stellen kann.
Fraktion der „Unabhängigen“ wird sich weiterhin um den Roten Berg kümmern.

Seit Jahren beschäftigt der Rote Berg als sehr beliebte Strecke für Motorradfahrer mit all seinem Für und Wider die Instanzen. Eine Lösung des Problems war bisher aber nicht möglich.
Des einen Leid, des anderen Freud. Am Roten Berg trifft dieses Sprichwort besonders gut zu. Leid haben es die Anwohner im Bereich des Heideweges und dahinter liegender Grundstücke. Anstatt am Wochenende bei schönem Wetter im Freien auf ihrer Terrasse sitzen zu können, muß man vom nahen Roten Berg den überlauten Motorenlärm der dort umherfahrenden Motorradfahrer ertragen.
Freud für die Biker, die neben dem Roten Berg auch den nahe gelegenen Weinberg als ihre Lieblingsstrecken ausgeguckt haben. Sobald der Winter vorbei und der Berg vom Fahrbahnbelag her gesehen befahrbar ist, geht es los. Fahrer aus aller Herren Gegend sind nun unterwegs um den Nervenkitzel der kurvenreichen Strecke zu erleben.
Alle bisher getroffene Maßnahmen haben nicht zur Beruhigung beigetragen. Und was ist nicht alles versucht worden. Verbesserung der Fahrbahn zur Eingrenzung des Lärms. Kontrollen der „Kontrollgruppe Krad“ der Polizei. Manch ein Biker hatte seine Maschine soweit getunt und bauartlich verändert, dass diese noch an Ort und Stelle sichergestellt und abgeschleppt werden mußte.
Präventionsmaßnahmen der Polizei auf dem Parkplatz am Fuß des Roten Berges. Dazu ein Musikprogramm ansässiger Bands. Geschwindigkeitskontrollen der Polizei,
So manch Kommunalpolitiker, Landtagsminister oder -abgeordneter ließ sich vor Ort sehen.
Doch das alles half nicht viel, wenn überhaupt. Die Beschwerden der Anwohner gingen weiter, nein, mußten zwangsläufig weitergehen.
Mit einem Antrag der Fraktion der „Unabhängigen“ vom 22.4.2020 an den Rat der Gemeinde Diekholzen wurde die Wiederaufnahme und Behandlung des Themas Roter Berg eingebracht.
Am 9.6.2020 wurde im Ausschuss für Technik und Umwelt beschlossen, dass die Gemeindeverwaltung Gespräche mit der Landesbehörde Straßenbau und Verkehr aufnimmt und nach Lösungsmöglichkeiten sucht. Zusätzlich sollte die Kontrollgruppe Krad der Polizei zur Unterstützung von Überwachungsmaßnahmen gewonnen werden.

Am 18.6.2020 wurde das Thema im Verwaltungsausschuß beratschlagt und zur Abstimmung gestellt. Leider wurde der Antrag in diesem Gremium mehrheitlich abgelehnt, was für die „Unabhängigen“ nicht zu verstehen war.
Die endgültige Entscheidung lag jetzt in den Händen des Gemeinderates, der am 25.6.2020 tagte. Offensichtlich hatten es sich einige Ratsherren oder –frauen nun doch anders überlegt. Der Antrag der „Unabhängigen“ wurde entgegen des Ergebnisses des Verwaltungsausschusses nunmehr doch angenommen.
Die Verwaltung wurde beauftragt, das Verfahren auf den Weg zu bringen und alle notwendigen Maßnahmen zu treffen, um Lösungsmöglichkeiten zu finden.
Unter anderem wurde das zuständige Landesministerium angeschrieben. Aus dem Ministerbüro von Frau Hopmann bzw. Herrn Althusmann bekam die Verwaltung ein umfangreiches Antwortschreiben, was die Bürgermeisterin später am 5.11.2020 in der Sitzung des Ausschusses für Technik und Verkehr vortrug. Hieraus ergaben sich Vorschläge zur Bekämpfung des Motorradlärms. Alle Maßnahmen zielten aber auf das kooperative Verhalten der Biker ab. Freie Fahrt für freie Bürger !.
Hauptsächlich diskutiert wurde der Vorschlag des Einsatzes eines Motorradlärm-Displays.
Herr Holger Schmidt, Amtsleiter Haupt- und Ordnungsamt ergänzte die Ausführungen der Bürgermeisterin und erläuterte dem Rat die Funktionalität des sogenannten Motorradlärm-Displaygerätes. Es besteht, so Schmidt, aus 2 Komponenten, die im Abstand von ca. 30,0 m fest installiert werden. Gemessen und angezeigt würde die gefahrene Geschwindigkeit und die Phonzahl der Lautstärke. Hieran könnten die Biker dann ihr Verhalten von selbst erkennen und entsprechend korrigieren, ohne gleich sanktioniert zu werden.
Die Stromversorgung des Displays erfolgte über ein Solarmodul, während der Geschwindigkeitsmesser durch Akkus versorgt wird. Die Kosten dieses Systems betragen ca. 16.000,00 € pro stationärer Anlage, so der Amtsleiter.
Am 12.11.2020 wurde der Punkt Lärmbelästigung am Roten Berg erneut durch den Verwaltungsausschuß besprochen.
Den Ausschussmitgliedern wurde von der BGMin die Informationsvorlage aus dem Ministerium zur Kenntnis gegeben.
Zur Ratssitzung am 17.12.2020 ging die BGMin zusammenfassend auf die Vorlage aus dem Hause Althusman ein und verwies auf die bereits erfolgten Informationen zur Problematik „Lärmbelästigung am Roten Berg“ in den vorangegangen Sitzungen des Ausschusses für Technik und Umwelt sowie des Verwaltungsausschusses.
Die Hildesheimer Allgemeine Zeitung veröffentlichte in ihrer Ausgabe vom 7. April 2021 einen umfangreichen Bericht, der an dieser Stelle in Teilen wiedergegeben wird, mit der Überschrift:
Land prüft Fördermöglichkeiten für besondere Displays auf beliebten Motorradstrecken wie dem Roten Berg

Artikel der HAZ vom 07.04.2021

Von Thomas Wedig

Der SPD-Landtagsabgeordnete Volker Senftleben berichtet nun von einer konkreten Perspektive. Er hat sich mit dem zuständigen Landesminister Bernd Althusmann über das Lärmproblem ausgetauscht. Demnach prüft das Land derzeit, ob es den Kommunen Fördermittel für die Anschaffung sogenannter Dialog-Displays zur Verfügung stellen kann. Sie bestehen aus einem Gerät zur Lärmmessung, einer Anzeigetafel und einem Radar zur Geschwindigkeitsmessung. Althusmann hatte bereits im vergangenen November auf die Anlagen hingewiesen, die bisher vor allem in Süddeutschland eingesetzt werden. Der Ausschuss für Technik und Umwelt der Gemeinde Diekholzen zeigte sich damals eher skeptisch. Damals war eine mögliche Förderung allerdings auch noch nicht in Sicht.
Senftleben hält die Anlagen für sinnvoll: „Sie würden den Fahrenden unmittelbar eine positive Rückmeldung bei regelgerechtem Verhalten und eine negative Information bei einer Überschreitung des Tempolimits sowie einer überhöhten Lautstärke geben“, sagt er. Das Ministerium hoffe, dass den Kommunen mit einer Förderung noch in diesem Frühjahr zumindest in gewissen Rahmen effektive Mittel zur Verbesserung der Situation an die Hand gegeben werden können. Die mit den Displays verbundene Ermahnung, nicht zu schnell zu fahren, würde auch Folgen vorbeugen, die noch viel schlimmer sind: Die Motorradstrecken sind oft auch Unfallschwerpunkte.
„Dies könnte dazu beitragen, dass die Lärmbelästigung durch rücksichtslose Fahrer reduziert werden kann, aber auf der anderen Seite denjenigen nicht der Spaß am Motorradfahren genommen wird, die rücksichtsvoll fahren.“